Das Konzept

Ziel des Konzeptes ist es, nachbarschaftliches und solidarisches Zusammenleben zu fördern.
Ein wesentlicher Baustein des Konzepts ist die Kennenlernphase vor dem Einzug. Für das neue Projekt in der Marien-/Flaschenhofstraße besteht bereits seit Frühjahr 2017 eine langsam anwachsende Gruppe von Interessenten, die sich regelmäßig treffen, um sich gegenseitig kennenzulernen und um das gemeinsame Wohnen vorzubereiten. Zu diesem Zweck finden monatlich Arbeitstreffen unter Leitung einer Moderatorin statt. Außerdem gibt es sogenannte Plaudertreffen, um sich in entspannter Atmosphäre auszutauschen. Schon vor Einzug kann so jeder Interessent herausfinden, ob er mit den Menschen der bereits bestehenden Gruppen zusammenleben möchte.
Um den Zusammenhalt auch nach dem Einzug zu erhalten, werden Folgemieter für freiwerdende Wohnungen von der bestehenden Mieterschaft nach einer Kennenlernphase ausgewählt, möglichst von einer Warteliste. Auf diese Weise wird die Chance, dass die Mieter auch künftig in gutem Einvernehmen zusammenleben, erhöht. In unserem Projekt in der Marthastraße hat sich dieses Vorgehen bewährt.
Der nachhaltige Zusammenhalt der Hausgemeinschaft wird also dadurch gewährleistet, dass Mieter unserer Wohnprojekte nur derjenige werden kann, der von einer dieser Wohngruppen als Mitglied aufgenommen und von den Mitgliedern aller Gruppen akzeptiert wird.  
Die Projekte in der Marthastraße und in der Marien-/Flaschenhofstraße sind als Generationen übergreifende Wohnprojekte konzipiert. Die Hausgemeinschaft besteht  aus einer bunten Mischung von Jung und Alt, von Familien, Paaren, Frauen und Männern, mit und ohne Kinder, behindert und nicht behindert und unterschiedlicher ethnischer Herkunft. Hier sind Menschen mit Behinderung, Menschen jeglicher Nationalität, Hautfarbe und Religion willkommen. Beim gemeinsamen Wohnen stehen gelebte Solidarität und gegenseitige Unterstützung in alltäglichen Situationen, Mitbestimmung  und Selbstverwaltung im Mittelpunkt.
Es wird erwartet, dass sich alle Bewohner und Bewohnerinnen gemäß ihren Talenten und Möglichkeiten in die Gemeinschaft einbringen und damit einen Beitrag zu einem lebendigen Miteinander des Gemeinschaftslebens erbringen.  Integrationsbereitschaft und -fähigkeit sind deshalb unabdingbare Voraussetzungen, um von den Wohngruppen als Mitglied aufgenommen zu werden. Die verschiedenen Generationen können ihre Fähigkeiten einbringen und sich unter einem  Dach füreinander engagieren.
Wir haben von Anfang an die Mietinteressenten unseres Wohnprojekts an dem Entwicklungsprozess unseres Projekts teilhaben lassen: Die Mietinteressenten des Marthaprojekts haben bei der Grundstückssuche und -auswahl, bei der architektonischen Konzeption und Gestaltung des Wohngebäudes, bei dessen Ausstattung und bei der Gartengestaltung mitgewirkt. Für das Projekt in der Marien-/Flaschenhofstraße befand sich das Grundstück bereits in unserem Eigentum und die architektonische Struktur war durch Lage, Nachbarschaft und Brandschutzvorgaben nur in engen Grenzen beeinflussbar. Bei der Ausstattung der Wohnungen werden die Mietinteressenten einbezogen.


Generationen übergreifende Mieterschaft

Von Anfang an legten wir Wert darauf, dass sich die Mieterschaft auf junge (unter 40 Jahren), mittelalte (40 bis 60 Jahre) und ältere (über 60 Jahre) Menschen etwa zu je einem Drittel aufteilt. Dies ist im Marthaprojekt weitgehend gelungen, und zwar unter anderem dadurch, dass die unterschiedlichen Bedürfnisse der einzelnen Altersgruppen auch architektonisch berücksichtigt wurden.  
Junge und ältere Menschen finden hier gutgeschnittene, auch kleine Wohnungen mit durchdachten Grundrissen, soziale Entfaltungsmöglichkeiten und Mitwirkung in der Hausgemeinschaft und der Nachbarschaft, gute Infrastruktur, zentrumsnahe Lage und Nähe zu einer Vielzahl von Freizeitaktivitäten und kulturellen Angeboten.
Für Familien mit Kindern bieten die Projekte ein kinderfreundliches Umfeld sowie große Wohnungen. Im Marthaprojekt helfen die älteren Mieter gerne den jungen Familien, indem sie beispielsweise auf die Kinder aufpassen, die aus der Schule kommenden Kinder empfangen und evtl. bekochen, wenn die Eltern verhindert sind. Die guten Kontakte untereinander erleichtern das Leben.
Ältere Menschen finden eine aufgeschlossene Gemeinschaft vor, in der eine Vereinsamung und Vereinzelung älterer Menschen vermieden werden kann. Das Gebäude und die Außenanlagen sind barrierefrei, so dass die Mieter auch bei zunehmend eingeschränkter Mobilität und Behinderung bis ins hohe Alter in ihrem vertrauten Umfeld wohnen bleiben können. Hauseingangstüren und die Türen zu den Laubengängen sind automatisiert und somit für Rollstuhlfahrer und ältere Menschen, die gehbehindert oder auf einen Rollator angewiesen sind, leicht passierbar. Die Gartenanlage bietet Ruhe- und Begegnungsplätze, so dass man sich sowohl zurückziehen als auch andere Bewohner treffen kann. Die Nähe zur Innenstadt mit allen kulturellen Einrichtungen fördert gemeinsame Unternehmungen.
Im Zentrum unseres Konzepts steht die soziale Teilhabe von Menschen und deren Eingliederung in eine Gemeinschaft durch nachbarschaftliche Kontakte und möglichst durch Nachbarschaftshilfe. Dies erreichen wir, indem wir bereits mehr als zwei Jahre vor dem Fertigstellungstermin mit Interessenten, die später in unserem Wohngebäude eine Wohnung beziehen wollen und gemeinschaftliches, solidarisches  Zusammenleben anstreben, in regelmäßigen Besprechungen und gemeinschaftlichen Unternehmungen einen Gruppenbildungsprozess in Gang gesetzt haben. Dieser Prozess wird durch eine Mediatorin professionell begleitet und gefördert.